Wie sich die BPMN und CMMN ergänzen können

Die beiden Standards BPMN und CMMN wurden zur Modellierung von Geschäftsprozessen und Workflows entwickelt. Interessant ist, dass die Stärken von CMMN die Schwachstellen von BPMN teilweise kompensieren können, es kann also durch Verwendung beider Sprachen eine Verbesserung in der Prozessmodellierung erreicht werden.

Die ersten Implementierungen von Workflow Management Systemen (WFMS) entstanden Ende der 1970er Jahre. 1993 wurde die Workflow Management Coalition (WfMC) gegründet, welche sich zum Ziel setzte, herstellerunabhängig Module von WfMNS miteinander zu verknüpfen. 2002 wurde die XML Process Definition Language (XPDL) freigegeben, die große Akzeptanz fand und oftmals implementiert wurde. Die grafische Spezifikationssprache Business Process Model and Notation (BPMN) wurde parallel dazu ab 2001 entwickelt. Die Object Management Group (OMG) erklärte 2006 die Version 1.0 des BPMN als Standard; im März 2011 wurde die Version BPMN 2.0 freigegeben. Diese Version ermöglichte es, die grafischen Elemente als XML zu speichern, was wiederum die Grundlage bildete, um BPMN-Diagramme und deren Prozessimplementierungen und Simulationen werkzeugübergreifend auszutauschen. Ein weiterer Standard, die Case Management Model and Notation (CMMN) wurde im Mai 2014 freigegeben. Dieser neue Standard basiert auf den Überlegungen des Adaptive Case Management (ACM), welches im Gegensatz zu BPMN keinen prozesszentrierten, sondern einen informationsbasierten Zugang wählt.

 

Die BPMN unterstützt mit ihrer Notation die Modellierung und Implementierung von verschiedenen Prozesstypen, aber auch verschiedenen Aufgabenspektren. Die Sprache ist so gestaltet, dass Modelle relativ einfach und klar verständlich sind und die Einstiegshürden in den Standard nicht sehr hoch sind. Das führte auch dazu, dass dieser Standard große Akzeptanz fand und dessen Implementierungen vielfältig sind. Darüber hinaus unterstützt der Standard nicht nur die fachliche Prozessmodellierung, sondern auch deren technische Umsetzung.

 

Es gibt aber auch Aspekte, die mittels BPMN-Modellierung nicht optimal bzw. relativ aufwändig abgebildet werden. Vor allem im Bereich der schwach strukturierten Prozesse stößt BPMN an seine Grenzen. Auf Grund der fixen Abläufe in BPMN-Modellen ist dieser Standard für Prozesse, die starkes individuelles Vorgehen erfordern, nicht optimal geeignet. Die Abbildung aller möglichen Abläufe führt zu sehr komplexen Modellen, die rasch unübersichtlich werden. Im Unterschied zu BPMN ist Adaptive Case Management hier flexibler. ACM ist im Gegensatz zu BPMN wesentlich datenorientierter; es können Entscheidungen aufgrund der Historie der Daten erfolgen. Ausführungsschritte können zur Laufzeit generiert werden, um sie gleich oder später auszuführen. Es ist aber auch möglich, ganze Subprozesse dynamisch einzuhängen, d.h. die Auswahl von Subprozessen ist hochdynamisch. Ein Modellierungsstandard, der die Ideen des ACM umsetzt, ist CMMN. CMMN unterstützt neben verschiedenen Task-Arten (Human-Task, Process-Task, Case-Task) das Konstrukt des sog. Entry Criteria. Ein Entry-Criteria ermöglicht es, Konditionen festzulegen, ab wann ein Task ausführbar ist, ohne aber festzulegen, dass dieser Task auch ausgeführt werden muss. Ein weiteres Konstrukt sind Stages, welche eine saubere Modularisierung ermöglichen und damit bessere Übersichtlichkeit und Lesbarkeit von Modellen ermöglichen.

 

Beide genannten Standards speichern Prozessmodelle im XML-Format. Implementierungen von BPMN gibt es von verschiedensten Anbietern. CMMN Modellierungswerkzeuge sind im Moment noch rar gesät (Camunda, Oracle BPM Suite, Trisotech, Visual Paradigm). Hier wird der Hype möglicherweise noch dauern. Einerseits finden viele Prozesse mit BPM ihr Auslangen, andererseits ist es aber auch möglich, mit BPMN dynamische Prozesse zu modellieren, auch wenn dies nicht immer optimal erfolgt.

 

Die beiden Prozessmodellierungsstandards BPMN und CMMN ermöglichen die Modellierung von komplexen Workflows und Bussiness-Prozessen. Sie schaffen es, Prozesse auf hohem Abstraktionslevel zu modellieren und bilden damit eine Brücke zwischen der Organisation und der IT. BPMN ist dabei der Standard, der für stark strukturierte Prozesse gut geeignet ist. CMMN unterstützt als Ergänzung dynamische Prozesse mit starker Benutzerinterakation. Beides zusammen ist vielleicht eine Möglichkeit, ein noch größeres Spektrum an Prozessen abzudecken.

 

 

DI Reinhard Wallner
Erstellt: 2016-11-30
von: DI  Reinhard Wallner
Stichworte: 

Workflow Management, Geschäftsprozessmodellierung, BPMN, CMMN, ACM