Logicx auf der WeAreDevelopers 2017

Dieses Jahr hatte ich erstmals die Gelegenheit, die WeAreDevelopers Konferenz zu besuchen. Die WeAreDevelopers ist mittlerweile die größte Entwickler-Konferenz Europas. Mit über 3000 Teilnehmern und über 300 anwesenden Firmen konnte die Wiener Marx Halle gut gefüllt werden. Dieser Erfahrungsbericht befässt sich im Detail mit zwei der vielen Vorträge der WeAreDevelopers 2017.

How to Design Human Centered Chatbots?

In seinem Vortrag "How to Design Human Centered Chatbots?" hat Sebastian Krumhausen (Sure) aktuelle Trends in der Chatbot-Entwicklung aufgezeigt. Was ein Chatbot grundsätzlich ist, haben wir bereits in einem Artikel behandelt:http://www.logicx.at/de/technologien/artificial_intelligence/chatbots_in_kuerze-57.

Die ausschlaggebenden Technologien eines Chatbots, wie Natural Language Processing (NLP), Big Data, Cloud und Machine Learning, sind jetzt endlich ausgereift. Chatbots konnten sich aber trotzdem noch nicht richtig durchsetzen.

Wenn es nach Herrn Krumhausen geht, liegt das an der umständlichen Interaktion mit klassischen textuellen Chatbots. Das Bestellen einer Pizza per App benötigt weit mehr Touch-Interaktion in einem textuellen Chat als mit einer standard UI basierten App.

 

Und das behandelt nur den "besten" Fall der Interaktion. In einem textuellen Chatbot ist es nicht leicht, seine vergangene Eingabe zu ändern. Ebenfalls unangenehm für den User ist es, wenn der Chatbot in seinem Verständnis des Benutzer-Textes (Utterance) nicht sicher genug ist (niedrige Confidence). Der Chatbot muss dann gezielt nachfragen. Diese Herausforderungen erfordern ein gut trainiertes Sprachverständis und einen komplexen Automaten (State Machine) um gemeistert zu werden. Der Automat speichert den aktullen Status der Konversation und wie diese weiter verlaufen kann. Sprich: der Automat speichert um Was es geht und Wie der Benutzer weiter interagieren kann.

Aus diesen Gründen entwickelt sich der Trend in Chatbots aktuell weg von textuellen Chatbots hin zu "App in App". Bei diesem Konzept wird die Ziel-App, z.B. Uber, als UI-Modul in der Chat-Applikation integriert. Somit kann der Benutzer weiterhin die vertraute Umgebung der Chat-Applikation verwenden, ohne aber komplexe Eingaben tätigen zu müssen.

Am besten umgesetzt hat das die in China sehr populäre App "WeChat". Diese integriert alle gebräuchlichen Funktionen und Apps in einen zentralen Hub. Benutzer müssen somit nicht mehr eine Unzahl an unterschiedlichen Apps installieren. "WeChat" stellt dabei auch so unternehmenskritische Aspekte wie Bezahlung und Accountverwaltung für alle integrierten Apps zur Verfügung.https://www.youtube.com/watch?v=xudpmyVUy6w

Let's Travel from Requirment to Code ... by MODEL

Daniel Siegl von LieberLieber spricht in seinem Vortrag über die Verbindung zwischen Model, Code und den Anforderungen.

Modelle sind wichtig um die Komplexität moderner Software-Systeme zu meistern. Sie bieten einen vereinfachten Überblick des Systems. Dabei dokumentieren sie zugleich auch das Produkt/den Code selbst. Besonders für das Erfüllen von Standards (z.B. ISO oder PCI) muss man als Unternehmen auch belegen können, dass der dokumentierte Code mit dem produktiven Coder übereinstimmt.

UML und BPMN-Diagramme helfen vor allem in Kunden-Gesprächen. Domain-Experten des Kunden verstehen die Diagramme und können diesen so leicht validieren und ihr Know-How einbringen. Selten wird man mit einem Kunden über die C# Implementierung des Systems diskutieren können.

Den richtigen Mehrwert bieten die Diagramme aber, wenn sie mit Code und Anforderungen verbunden werden.

  • Ein Use-Case Diagramm kann z.B. mit den dazugehörigen Anforderungen verbunden werden.
  • Die Aktion des Use-Cases selbst (die Busines-Logik) wird mit dem relevanten Stück Code verlinkt.

Diese Information hilft einem Software-Architekten, seine verfügbaren Business-Logik besser zu kapseln und wiederzuverwenden. Einem Requirements-Engineer hilft es sicherzustellen, dass jede Anforderung auch umgesetzt wird. Für jede Anforderung muss also ein Use-Case vorhanden sein. Ebenso darf kein Use-Case ohne Anforderung existieren.

Persönliches Résumé

Ich konnte in den zwei Tagen auf der WeAreDevelopers viele interessante neue Punkte aufschnappen, und altes, in den Hinterkopf geratenes Wissen wieder auffrischen. Mit nur 30 Minuten je Vortrag konnten die Vortragenden oft einen guten Überblick über die Thematik vermitteln. Allerdings wurde dabei selten auf detaillierte Aspekte eingegangen. Es ist also durchaus empfehlenswert, auch Vorträge in unvertrauten Themengebieten zu besuchen. https://www.youtube.com/channel/UCSD0dLRGQk_T-D3RvpM5aFQ

Ing. Robert Stenitzer
Erstellt: 2017-06-16
von: Ing.  Robert Stenitzer
Stichworte: 

WeAreDevelopers Chatbots Requirements