eCommerce-Logistik-Day in Wien

Hauptthemen: Automatisierung von Logistikprozessen, Entwicklungen und Trends, Herausforderungen und Chancen des Online-Handels. Die Lage Österreichs im internationalen Vergleich.

Einleitung

Das neue, vom Institut des Interaktiven Handels und Logistik Express, die österreichische Logistik –Zeitschrift, initiierte Veranstaltungsformat brachte diverse Akteure aus der Handels- und Logistikbranche der DACH Region in den Wiener Twin Towers zusammen.

Angesichts des boomenden eCommerce schnellen Paketmengen und Umsätze in die Höhe. Die KEP-Branche (Kurier-, Express und Paketgeschäft) stellt sich auf satte kontinuierliche Wachstumsraten ein. Die enormen Chancen liegen auf der Hand. Der moderne Verbraucher schätzt die Transparenz, Bequemlichkeit und Zeitersparnis, welche ihm der Internethandel ermöglicht und die Online-Nachfrage wird vermutlich noch lange ungebremst steigen. Aber auch die Herausforderungen, die das Wachstum mit sich zieht, sind vielfältig. Herr Bernd Kratz von EMA sprach in seinem Vortrag von der Unberechenbarkeit des E-Commerce, von immer höheren Kundenerwartungen und von der zunehmenden Marktkraft der großen Player wie Alibaba oder Zallando.

Einer, der die Vorteile des E-Commerce schon sehr früh erkannte, ist der schwedische Möbelriese. Sebastian Knisch, Omnichannel Manager der IKEA präsentierte in seinem Vortrag die Multichannel-Strategie des Konzerns, dessen nahtlose Verflechtung des Online Angebots mit dem bewährten „Cash and Carry“ Konzept eine beispielhafte Implementierung des „Seamless on/offline Offer“ darstellt. Mit weiteren neuen Konzepten wird bei IKEA, die bereits seit 2000 Online verkauft, kontinuierlich an einer wirksamen Umsetzung der Multichannel-Strategie weiter gefeilt.

Bereits nach erster Betrachtung fällt einem auf, dass deutsche E-Commerce Marktakteure als Trendsetter und Innovationstreiber tonangebend am österreichischen Markt agieren, während die heimische Entwicklung in diesem Bereich scheinbar einige Jahre zurück liegt. Zwar bestellen etwa 95% der österreichischen Konsumenten gerne im Internet, tun es aber vorwiegend bei deutschen oder anderen internationalen Händlern.

Insgesamt scheint das Potential am heimischen Markt noch lange nicht erschöpft sein. Im Vergleich zu Deutschland mit 12 Paketen, rangiert Österreich hinter vielen EU-Ländern mit nur 5 versendeten Paketen pro Verbraucher im Jahr 2015.

Einleitung

Automatisierung

Die technologiegestützte Automatisierung hält Einzug in alle Prozesse der Logistik. Automatisierungsstrategien stellten somit eines der Hauptthemen dieser Veranstaltung dar.

Das kontinuierliche Wachstum, die Ausweitung des Sortiments, Erhöhung der Artikelanzahl etc. stellen die Logistik vor einer stetigen Herausforderung. Der Arbeitsmarkt kann mit der Nachfrage nach weiteren Arbeitskräften aufgrund der demografischen Entwicklung nicht schritthalten. Gekoppelt mit dem sinkenden Erlös pro Sendung in der KEP Branche erhöht sich der Druck, gewisse Prozesse zu automatisieren. Beispiele von weitreichender Automatisierung sind vor allem in der Intralogistik längst keine Seltenheit mehr. Swisslog, Knapp AG, SSI Schäffer sind nur einige Namen jener Unternehmen aus diesem Bereich, welche bei der Veranstaltung vertreten waren und Ihre innovativen Lösungen und erfolgreich umgesetzte Projekte präsentierten. Etwa eines der weltweit größten automatisierten Versandlager von wehkamp.nl wurde maßgeblich von der Knapp AG mitgestaltet. Der niederländische Onlinehändler wickelt über diesen Standort die Auslieferung von ca. 200.000 Artikeln in etwa 70.000 Paketen pro Tag ab.

Die Antithese zu diesem weit verbreiteten Trend stellte KAISER + KRAFT GmbH. Die große deutsche B2B Handelsgruppe für Betriebs-, Lager- und Büroausstattung, deren Produkte aufgrund deren Eigenschaften sich im Gegensatz zu handlichen, in Pakete verpackbaren Waren, nur teilweise für eine Automatisierung eignen, trotzt dem besagten Trend. Das Unternehmen beweist mithilfe geschickter Logistiksysteme, dass man ohne Automatisierung auch bei großen Volumen einigermaßen effizient wirtschaften und weiter expandieren kann. Eine unendliche Fortsetzung dieses Kurses hält Herr Krüger allerdings trotzdem für unwahrscheinlich.

Automatisierung

Letzte Meile Logistik

Den einleitenden Vortrag zum Thema Letzte Meile Logistik hielt Herr Birnstingel, Geschäftsführer von DHL Paket Austria. Mit Fokus auf das B2C Geschäft ist der deutsche Konzern seit seiner Rückkehr nach Österreich vor mehr als einem Jahr im Begriff den heimischen Markt im Sturm zu erobern. Als Sponsor organsierte DHL im letzten Teil der Veranstaltung eine Besichtigung des neuen DHL-HUBs im Süden von Wien. Die Paketfabrik beeindruckt durch eine für österreichische Verhältnisse gewaltige Größe und moderne Technik. DHL habe im letzten Jahr in Österreich einen fünfstelligen Millionenbetrag investiert, so Herr Birnstingel im Gespräch mit Besuchern. Die Logistik bezeichnet er als das Nervensystem der Wirtschaft und spricht von einem jährlichen Wachstum der von DHL beförderten Paketmengen von 10,7% im vorangegangenen Geschäftsjahr hierzulande.

Auch die Konkurrenz verzichtete nicht auf den Besuch des ersten E-Commerce-Logistik-Day. Etwa Vertreter der österreichischen Post und DPD mischten sich unter den Besuchern.

Vordergründlich sprach man von der entscheidenden Rolle der Letzte- Meile Logistik in Bezug auf das Einkaufserlebnis sowie das Potenzial der Daten, welche Logistikdienstleister über Händler und Konsumenten anhäufen, und deren gezielte Verwertung für Marketingzwecke. Stephan Grad vom Beratungsunternehmen A-Commerce empfiehlt in seiner Ansprache engere Kooperationen in diesem Zusammenhang, um diese Daten sinnvoll einzusetzen.

 

Was will der Kunde? Immer höher werden die Erwartungen

Einigermaßen einig sind sich die Beteiligten in Hinblick auf die Erwartungshaltung der Kunden gegenüber dem Zustellservice. Die Erfahrung zeigt: nicht auf Schnelligkeit sondern auf Genauigkeit kommt es an. Man ist daher vor allem bemüht, den Kunden Ihre Sendungen rechtzeitig zur präferierten Tageszeit und innerhalb eines möglichst schmalen Zeitfensters zu liefern. Um aber eine optimale Servicequalität zu erreichen, seien Versandhändler gefordert mit dem Logistikdienstleistern zu kooperieren, betont Herr Birnstingl.

Während Next-Day-Delivery immer mehr an Bedeutung gewinnt und bei vielen Online-Händlern bereits als Standard-Option gilt, wird in Österreich Same-Day-Delivery immer noch nur selten von Händlern angeboten und von Konsumenten kaum in Anspruch genommen. Stephan Grad von A-Commerce: „In dieser Hinsicht hinkt der Bereich E-Commerce in Österreich dem deutschen Markt noch ein paar Jahre hinten nach“.

Und obwohl zurzeit offenbar nur etwa 1,4% der Konsumenten bereit sind, für diesen Service zu bezahlen, setzt TIRAMIZOO auf Schnelligkeit. Das Unternehmen spezialisiert sich auf Same Day Lieferservice, ist mittlerweile auch in Österreich vertreten und wickelt etwa den Zustellservice dieser Art für Media Markt in 20 Städten in Deutschland ab. Die Fahrten werden dabei vom externen Dienstleistern übernommen. Der Geschäftsführer von TIRAMIZOO und Referent bei der Konferenz prognostiziert eine Zunahme der SDD auf mindestens 5% aller Sendeaufträge in den kommenden 5 Jahren.

Auch im hart umkämpften Lebensmitteleinzelhandel tut sich viel im Blick auf Distanzhandel. Allyouneed und Unimarkt, zwei reine Online-Händler aus Deutschland und Österreich präsentierten Ihre Erfolgskonzepte und Expansionsprognosen in diesem dynamischen Terrain. Im Moment beläuft sich den Online-Anteil der Lebensmittel-Sparte auf lediglich 1%. Das dürfte sich in den kommenden Jahren rasant verändern. Adäquate Logistikprozesse und die Qualität des Lieferservice spielen auch hier eine zentrale Rolle. Beide Anbieter arbeiten jeweils mit der deutschen und österreichischen Post als Logistikpartner für die letzte Meile. Kurze Transitzeiten und pünktliche Zustellung innerhalb des vereinbarten Zeitfensters sind dabei wichtige Aspekte, die in Anbetracht anschwellender Volumen nur mit robusten Optimierungs- und Kontrollmechanismen gelöst werden können.

Mag. Alexander Leibin
Erstellt: 2016-12-07
von: Mag.  Alexander Leibin
Stichworte: 

e-commerce, logistics, last mile

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